Zu „Die Tote von St. Kastl“

Die Idee zu diesem Buch kam mir bereits vor etlichen Jahren. Sehr oft bin ich die Ausfahrt Langenbruck an der A9 von München nach Nürnberg abgefahren. Von dort hat man einen prächtigen Blick hinüber zur Kapelle von St. Kastl. Dazu kam die Geschichte vom Holledauer Schimmel:

Der junge Araber fand bei seinen Stammesgenossen erst Beachtung, wenn er ein Pferd gestohlen hatte. Unsern Holledauern verflossener Generationen sagt man ebenfalls große Vorliebe für fremde Pferde nach. Die Überlieferung bringt hievon Dutzende von Beispielen. So erzählt man von einem Einödbauern, der samt seinen Söhnen und drei Enkeln zu Moosburg wegen Pferdediebstahls an den Galgen geknüpft wurde. Zuerst kamen die Enkel und Söhne daran, zuletzt der Alte mit seinem weißen Spitzbart.

Einen alten Jäger traf das gleiche Schicksal, da er Fohlenfleisch statt Hirschfleisch verkaufte.

Einmal wurden Holledauer Diebe, die einen Schimmel gestohlen hatten, verfolgt, und sie haben sich genötigt, das Pferd in einem am Wege gelegenen Kirchlein zu Larsbach einzustellen und das Weite zu suchen; des anderen Tages wollten sie es wieder holen. Da aber die Diebe eingeholt und gefangen genommen wurden, musste der Schimmel nach einigen Tagen verhungern. Der Mesner fand ihn später tot innerhalb der Kirchentüre liegen.

Allgemein bekannt ist das Holledauer Lied:

1. O heiliga Sankt Kastalus
und unsa liabö Frau,
ös werds uns do wohl kenna,
mia san vo da Holladau. Juchhe!

2. Verdn san uns neunö gwön,
heunt san uns grad mehr drei;
dö andan san beim Schimmistehln,
Maria, steh öa bei!

3. Z‘ Nandlstadt, da steht a Galgn,
dö is a Moastastuck
und wer koa Holladaua is,
der kimmt glei wieda zruck.

4. Diaweil da Kaisa hat’n grad
den Nandlstadtan gschenkt
und wer koa Holladauer is,
der wird a durt nöt ghenkt.

5. In Au, da ham s‘ an eahnan Schloß
grad 40 Jahr dro baut,
weil koana hat mit seine Roß
a Fuhr si z’macha traut.

6. Denn d‘ Schimmön san gar teua worn
seidem da letzt‘ voreckt,
und ’s Kirchal is abrocha worn,
wo man ihn hat vosteckt.

7. Dös Kirchal war bei Volkaschwand
hoch auf’n Bergal drobn.
Da Schimmö is vohungat drinn,
wei(l)s durt koan Haban ham.

8. Und z‘ Wolnzach ham s‘ a Pflasta kriagt,
dös is a Rarität;
nur wia ma junge Stoana ziagt,
grad dös vostengan s‘ nöt.

9. Drum laufan s‘ in a Welt herum
und suachan d‘ Stoana zsamm
und schaung so blind und schaung so dumm
ob s‘ an rechtn Sama ham.

10. Dö Moaburga san rari Leut,
dö ham gnua Bier und Geld,
sie führn a Lebn voll Herrlichkeit,
wia d‘ Protzn auf da Welt.

11. Sie ham an Schlüssl in da Hand
zua ganzn Holladau,
drum fragt ma z‘ Moaburg umanand:
„wißts ös an Weg auf d‘ Au?“

12. Und oans, ma hat z‘ wia oft scho gfragt:
„wia graouß is d‘ Holladau?“
Und auf dös hat ma allmoi gsagt:
„dö Frag, dö is ma z‘ schlau!“

13. Oans moanat halt es war a Haus,
dös viel Norrn fassn ko
und d‘ Holladau geht durt erst aus,
wo dö Gscheidn fangen o.

14. O heiliga Sankt Kastalus,
um was i di no bitt‘:
Um hundattausnd Tala und
gib mia dös Geld glei mit.

15. Um hundattausnd Tala, ja,
und no amol so viel
und alle Tag viel Fleisch und Bier,
an Himmi, wia r i will!

Nach Schöppner und mündlicher Überlieferung

Michael Waltinger, Niederbayerische Sagen